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Sonntag, 15. Dezember 2013

Froher 3. Advent!

Hallo ihr Lieben,

und einen frohen dritten Advent euch allen! Es wird mal wieder Zeit für ein wöchentliches Update.
Aaaalso was ist diese Woche alles so passiert? In meiner Schule ist im Moment alles etwas chaotisch, denn bald steht unser Schulmusical an und viele Stunden werden jetzt einfach abgesagt für zusätzliche Proben. Dabei fangen die Kinder jetzt langsam an richtig gut zu werden, ich bin schon sehr gespannt auf Donnerstag.

Was mir während all unserer Proben, aber auch sonst in der DSB aufgefallen ist, ist dass britische und deutsche Lehrer völlig andere Lehrmethoden benutzen. Während uns in deutschen Unis beigebracht wird auf die Kinder einzugehen, jegliche Form von Bloßstellung zu vermeiden, arbeiten die Briten oft noch mit Methoden aus dem gefühlten 18. Jahrhundert. Es wird viel mehr kritisiert als gelobt, und wenn dann doch einmal gelob wird, fühle ich mich als Zuschauer oft genauso erleichtert wie die Kinder. Meiner Meinung nach ist das vollkommen veraltet und macht nicht gerade einen guten Lehrer aus. Angst einflößen und rummotzen können wir schließlich alle, dazu muss ich nicht Lehramt studiert haben. Aber Kinder für Themen zu begeistern, die schon 90% aller Erwachsenen sterbenslangweilig finden ist schon eher eine Herausforderung.

Am Dienstag war ich mit der Schule im NEO Science Center weil eine Schülerin einen Vortrag über Marsmissionen gehalten hat. Neben einer kleinen Ausstellung über Raumfahrt gibt es noch weitere über Klimawandel, den menschlichen Körper, Physikzeug, Dinosaurier etc. Da es ein indisches Museum ist, muss ich wahrscheinlich nicht erwähnen, dass ein Großteil der „Experimente“ die man machen konnte, kaputt war und viele Informationen etwas veraltet waren. Manchmal schockt es mich noch immer zu sehen, dass diese angeblich so westliche Metropole, in der doch so viel Geld stecken, soll kein Geld hat für ihre berühmtesten Museen. Meine Kollegin meint, die Kohle wird da wohl schon hingeschaufelt, allerdings kommt wohl dann nur ein Bruchteil davon letztendlich an. Der Rest versickert irgendwo durch Korruption.

Was jedoch mega cool war, war der Baum in dem Experimentiergarten. Während die Kinder sich mit kaputten Flaschenzügen abgemüht haben, gucke ich ein bisschen herum und sehe auf einmal direkt über mir hunderte von Flughunden schlafen und sich putzen oder ire großen Flügel ausstrecken. Die sind echt soo groß! J Ich hätte mir die Stunden angucken können, das war echt total beeindruckend. Auch ein verrücktes Streifenhörnchen ist wieder den Baum hochgerannt.

Nach diesem sehr langen Tag im Museum mit anschließender Musicalprobe habe ich mich dann mit Patrick und unseren Buddy von Aiesec nach meiner Arbeit in Santa Cruz getroffen, da uns seine Mutter zum Essen eingeladen hatte. Amoghs Mutter stellte sich als super gastfreundlich heraus und hat uns erst mal richtig mit indischem Essen vollgestopft: Paneer (weich-schwammiger, weißer Käse), Kichererbsen mit Masala, ein Linsengericht mit einem leichten Currygeschmack, Reis und Pani, kleine Brotfladen die in heißem Öl gemacht werden und sich darin aufpusten. Besonders genossen haben wir die als Vorspeise servierten Kartoffelstückchen, ein bisschen angebraten und gesalzen. Wir wurden wie immer gefragt ob es in Ordnung ist, dass es nur vegetarisches Essen gibt in dem Hinduhaushalt, so als würden Deutsche alles ohne Fleisch verschmähen. Nach einem sehr netten Abend und interessanten Gesprächen mit Amoghs Mutter, die richtig gut Englisch sprach, ging es dann mit der Riksha nach Hause und ab ins Bett nach diesem laaaangen Tag. (Natürlich mit allerhand Essen, das uns Frau Rao eingepackt hat)

Freitag gab es in der Schule ein „Danke“ Buffet der Eltern für die Lehrer (wieso gibt’s das eigentlich nicht in Deutschland?) und da wir eine internationale Elternschaft haben, gab es auch internationale Gerichte. Ich dachte ich bin im Schlaraffenland. Außerdem hatte ich Freitag meine letzte Englischstunde und das hat mich irgendwie traurig gemacht. Die Kinder waren auch mega süß und haben gefragt warum ich nicht bleibe und ob ich nicht einfach wiederkommen kann. „Weil ich noch zu Ende studieren muss in Deutschland“. Ob ich das denn nicht auch in Indien kann. Ob ich nicht wenigstens wiederkomme wenn ich eine richtige Lehrerin bin. Ich musste ein bisschen Lachen.

Gestern haben sich dann ganz plötzlich die Polen, samt den Gästen von denen, die hier seit Wochen immer mal wieder bei uns in der Wohnung campieren, verzogen. Mit gepackten Reiserucksäcken stand unsere Mitbewohnerin plötzlich vor der Zimmertür und wollte sich verabschieden, weil die ganze Truppe jetzt nach Thailand aufbricht und wir uns nicht mehr sehen werden. Das kam echt überraschend. Melanie meint zwar, die hätten das schon länger geplant, allerdings können Patrick und ich uns daran erinnern, dass wir erst letztens gefragt haben was die alle Weihnachten machen und die meinten sie bleiben in unserer Wohnung und kochen was. Oh well, mir solls ja egal sein.

Mit 4 Polen weniger, Carmem weg und Olya so gut wie nie da, besteht die Wohnung eigentlich nur aus Melanie, Patrick und mir. Wird hatten zwar diese Woche noch einen Typen bei uns wohnen, von Patrick liebevoll der Vampir getauft und dann auch noch ironischerweise auch Rumänien kommend, aber der ist jetzt in der NachbarWG. Weil die Polen weg waren, und unsere Nachbarn wieder schwer am Feiern warn, haben Patrick und ich uns mal aus unserem Schneckenhaus getraut und mitgemacht. Wir sind dann als riesen Gruppe im Hard Rock Café bei uns um die Ecke gelandet und das Bier und die Cocktails flossen in Strömen und wir haben so viel getanzt, dass mein ganzer Körper sich anfühlt als wäre er unter den Trecker gekommen. Als das Hard Rock Cafe schließen wollte und uns rausgeschmissen hat, haben wir alle in unsere Wohnung eingeladen, und da noch ein bisschen gefeiert. Ich muss nicht erwähnen, dass Patrick und ich Samstag einfach sterben wollten und völlig aus der Form waren. Zwei Cocktails und sonst Bier hab ich getrunken und fasziniert dabei zugeschaut wie Melanie sich das Doppelte gegeben hat, bei der Hälfte meines Gewichts. Man merkt das wir echt weniger Feiern hier.

Gute Laune im Hard Rock Cafe
Manchmal muss man auch ein bisschen feiern.... :-)
Und jetzt ist schon wieder Sonntag. Nächste Woche noch muss ich arbeiten und dann war es das. Ich hab noch ein paar nervige Sachen vor der Brust, Masterbewerbung inklusive all des Bürokratiemists, Bafög Antrag fertig machen, mein kaputtes Kindle (blödes Ding hat sich royal aufgehängt und ich muss das jetzt iwie nach Deutschland kriegen damit ich noch die Garantie ausnutzen kann.) irgendwem mitgeben oder im worst case per DHL verschicken…. All so Zeug.

Zeit vergeht auf einmal ziemlich schnell! Soviel zu meinem Update der Woche J Ganz liebe Grüße ins kalte Deutschland, trinkt einen Glühwein für uns mit ;-)

Teresa



Donnerstag, 21. November 2013

Der neue Plan


Soo. Viele von euch haben es ja vielleicht schon von mir gehört, aber mit meiner Arbeitsstelle war ich hier nicht so 100%ig zufrieden. Jetzt ist es so weit: Ich habe meine Kündigung eingereicht und werde anstatt bis Ende Februar nur bis Ende Dezember in Mumbai bleiben. Das selbe gilt natürlich auch für Teresa, die lasse ich hier nicht alleine :)

Aber erstmal, für alle die es noch nicht wussten, zu meinem Job:
Meine Aufgabe, auf die ich mich beworben und für die ich auch angenommen wurde, war es, größtenteils eigenverantwortlich eine deutsche Version von CouponDunia, einer indischen Couponseite, zu erstellen. Also viel Projektmanagement, viel Zusammenarbeit mit den anderen Mitarbeitern und Praktikanten, die ihre Seiten schon fertig haben und viele viele verschiedene Aufgaben. Davon auch, leider, einiges Marketing, dass ja überhaupt nicht in mein Profil passt. Aber unter dem Projekt war das für mich kein Problem.

Ganze drei Wochen vor meinem Flug nach Indien hat mein Chef mir mitgeteilt, dass das deutsche Projekt nicht stattfinden wird. Er würde aber trotzdem eine "meaningful and interesting" Aufgabe für mich finden. Da ich sowieso keine Wahl hatte, da Flüge gebucht und Teresa ja auch ein Praktikum hatte, hab ich (unter der nochmaligen Angabe dass mir Marketing nicht liegt) gesagt, dass ich trotzdem komme.

In Mumbai habe ich dann erstmal wochenlang 9 Stunden am Tag im Büro rumgesessen, ohne eine Aufgabe bekommen. Ich wurde dem Affiliate Management Team zugeordnet (nicht von Management verwirren lassen, es ist... Marketing!). Von dem entsprechenden Teamleiter habe ich aber leider, trotz Nachfrage alle 2 Stunden ("Yeah, just give me 5 minutes"), keine, zumindest keine interessanten (aber uninteressante auch nur im Gesamtvolumen von 60 Minuten in 4 Wochen à 45 Arbeitsstunden), Aufgaben bekommen. 

Mein Chef hat mir dann noch zwei Möglichkeiten aufgezeigt: Ich kann im Content-Team mitarbeiten (Den ganzen Tag lang auf Coupons rumklicken und schauen ob sie noch funktionieren - Nicht mal wirklich Marketing, aber ganz sicher nicht besser) oder bei den anderen Praktikanten mitarbeiten (Google-Translate für Portugiesisch, Chinesisch, Türkisch, Polnisch und Indonesisch, und natürlich nur die Aufgaben, die die Anderen nicht machen können weil die deren Aufgaben wichtiger und/oder spannender sind. Oder für Nicht-Muttersprachler schlicht unmöglich). Nicht soo prickelnd

Zwischendurch gab es tatsächlich einen kleinen interessanten Einschub, in dem ich eine Datenbank in Access mit Formularen, Abfragen, Diagrammen etc. erstellen sollte. Da ich Access noch nie benutzt habe, habe ich mir alles schön im Internet angelernt und dann die Datenbank erstellt. Zwei Tage waren also bisher nicht verschwendet - Da habe ich tatsächlich was gelernt.

Nach einem weiteren Gespräch mit meinem Chef, in dem ich ihm noch einmal gesagt habe, was ich nicht machen möchte, hat dieser mir eine Woche später einen neuen Aufgabenvorschlag geschickt: Im Affiliate Management Team arbeiten (Moment mal.... Hab ich da nicht angefangen?).

Damit war es dann jetzt endgültigst entschieden: In dieser Firma, die ausschließlich aus Marketing, stumpfen sich wiederholenden Deppenaufgaben und IT besteht (IT kann ich leider nicht..), gibt es einfach, so lange ich dieses Projekt nicht habe, keine Aufgabe für mich. Und so lange ich weder Geld verdiene (Ich gebe im Monat mehr aus als ich einnehme) noch etwas lerne, verschwende ich meine Zeit. Und das mag ich nicht. Ergo habe ich heute meine Kündigung zum 31.12.2013 eingereicht


Unser neuer Plan, der mir eigentlich sogar sehr gut passt (Die 3 Monate, die im CV jetzt fehlen, werden wir uns schon irgendwie zurechtreimen können), ist es, am 01.01.2013, also 2 Monate früher als geplant, mit dem Reisen anzufangen. Dann wird für 2,5 Monate Indien unsicher gemacht (also 1 Monat mehr als geplant) und Mitte März geht es zurück nach Deutschland (1 Monat früher als geplant). 

Wenn ich also den Dezember jetzt noch überlebe kann ich nur sagen: Immerhin habe ich die indische Arbeits- und sonstige Kultur kennengelernt und kann mehr Zeit mit dem Reisen verbringen. Die 3 Monate waren dann also auch nicht komplett verschwendet, sonst hätte es mich nämlich nie hier hin verschlagen und eine Gelegenheit, 2.5 Monate durch ein Land zu reisen, hätte sich mir danach garantiert nicht mehr geboten. Zumindest nicht vor der Rente :)

Befreit,
Patrick

Mittwoch, 13. November 2013

Jahrestag im Hotel und meine ersten Arbeitstage


Hallo ihr Lieben,

Da Patrick gaaaar keine Lust hat zu posten, mache ich das jetzt mal.

Wir haben am Wochenende einen wundervollen Tag in einem Hotel in der Nähe von Malad (Bezirk im Norden von Mumbai) gemacht, auf so einer kleinen Halbinsel und da unseren Jahrestag gefeiert. Und man glaubt es kaum, obwohl es Mumbai ist, war es dort wunderschön. Besonders begeistert hat mich das Bett mit einer echten Matratze und Decke und allem Comfort, und wir haben herrlich weich gelegen, während die Zimmertemperatur richtig schön kalt war und haben kleine grüne Halsbandsittiche beobachtet aus unserem Fenster heraus, die sich um die Palmen gejagt haben. Ich glaube wir wären beide am liebsten einfach liegengeblieben für die nächste Woche. Der Pool war mega leer, irgendwie scheinen Inder etwas wasserscheu zu sein, und das Essen war ganz gut, wenn auch sehr auf den indischen Gaumen ausgelegt. War ja Buffet, wir haben uns das beste rausgepickt und uns dann wieder eingekuschelt :-) Insgesamt war das Hotel wirklich schön Edel und wir haben den Tag total genossen.


Ein Traum von einem Bett


Blick aus unserem Fenster

Am nächsten Morgen bin ich dann erstmalig zu meiner neuen Arbeitsstelle gefahren (Patrick und das Bett zu verlassen war hart...) und habe dann erstmal eine Privatführung vom Schulleiter bekommen, wobei ich aus dem Staunen kaum rausgekommen bin. Klassen mit ca 5 Schülern sind irgendwie neu für mich, genauso wie die Tatsache, dass jeder Lehrer anscheinend von der Schule einen Laptop bekommt, jeder Schüler einen dabei hat, jede(!!!) Klasse Smartboards hat, also Tafeln an die man quasi einen Computer anschließen kann und die man dann fast so bedienen kann wie ein Tablet (iPad), es außerdem unzählige Materialien gibt und Drucker (ja, auch Farbdrucker) und das einzige woran es der DSB anscheinend eventuell mangelt, Platz ist. Ich bin zufällig in der totalen High Society Schule gelandet und bin immer noch vollkommen perplex. Und versuche morgens wenn ich zur Arbeit gehe besonders darauf zu achten nicht in Kuhfladen oder angefressene Hühnchen zu treten bevor ich in eine Riksha steige zum Bahnhof, ich bin mir irgendwie sicher, dass Lehrer samt superreiche Schülerbelegschaft dieses Problem nicht haben.

Am ersten Tag konnte ich witzigerweise gleich eine „Vertretungsstunde“ machen, weil diverse Lehrer krank waren und niemand wusste weshalb da jetzt niemand zur Aufsicht war, der denen sagt welche Aufgaben die machen sollen. Und was bekomme ich?? Richtig. Mein Lieblingsfach: Mathe, 7. und 8. Klasse, und dann auch noch diese typischen Textaufgaben. „Wenn Susi drei Pferde hat, die jeweils 10 Kilo Heu am Tag fressen, und 4 Hühner, die insgesamt 6 Eier legen und sie die Eier verkauft, welche pro Stück 57 Cent kosten, sie aber auch gleichzeitig 2/3 Kilo Heu für 2,45 Euro kaufen muss, wie viel Eier muss sie dann verkaufen damit sie sich eine Kuh leisten kann?“ (…… Was? Oh, tut mir leid, ich habe ein Kaninchen gemalt, weil das was sie gesagt haben so langweilig war…..)

Naja irgendwie haben wir alle die Stunde überstanden, ohne dass meine royale mathematische Inkompetenz so doll aufgefallen wäre. 


Der Pool für uns ganz allein!


Witzige kleine Kranich-Möwen auf unserem Wasserfall

Ich freue mich über verrückte Pflanzen mit Puscheln


Das Kollegium ist bis jetzt sehr sehr nett und super hilfsbereit (natürlich hat jedes Paradies auch eine Schlange. Eine der Lehrerinnen ist erst mal so konsequent gegen alles was man sagt, selbst wenn sie sich dabei fünf mal widerspricht, dass es fast schon wieder witzig ist sich mit der zu unterhalten. Waaas ist nur los mit solchen Leuten, Verbitterung^10??) Und ich habe nicht nur schon Bücher und Unterrichtsmaterialien bekommen, auf welche ich mich natürlich sofort gestürzt habe, sondern auch super Tipps wie man gerade für English lessons an gute Materialen in einem Internet Forum kommt.

Material nach 3 Tagen Praktikum. Es wird schnell mehr...
Also ich wird jetzt wahrscheinlich immer Freitags die 6. Klasse selber unterrichten dürfen in Englisch, (das sind deutsche und englischsprachige Kinder), bei diversen Klassen in Deutsch beim Unterricht helfen, wobei ich eine sehr gute Schülerin da weiter fördern soll und eventuell einen mit LRS ein bisschen unterstützen könnte und bei der 6. sogar etwas zu dem Buch machen, das wir da jetzt lesen (Krabat. Is echt gut, hab ich mal schnell eingeatmet.) Da forsche ich grad in einem Materialienbuch was ich dazu machen könnte. Und beim Musical am Nachmittag darf ich auch mithelfen. Wie man sieht türmen sich nach 3 Tagen schon ein paar Aufgaben an, ich bin schon ziemlich aufgeregt und hoffe ich mache das irgendwie alles richtig :-)
Insgesamt kann ich jetzt schon sagen: Der Job ist perfekt.

Die Zugfahrt hin und zurück ist sehr unterschiedlich, je nach Tageszeit. Wenn ich zur 1. Stunde habe ist es traumhaft nach Südmumbai zu düsen, alles ist ruhig, naja so ruhig wie Mumbai halt kann, und leer. Und wenn ich früh zurück kann ist es nach Norden auch alles ganz leer. Hab ich jedoch erst zur 3. Fängt das Desaster an, dann bin ich wieder unter lauter schreienden, boxenden Inderinnen, wobei ich den Verdacht habe, dass es sobald es so voll ist denen plötzlich egal ist, ob die n 1. Klasse Ticket haben oder nicht, kommt ja eh kein Kontrolleur durch.

Jetzt noch eine wunderschöne Nachricht und eine nicht so schöne. Wie immer die Schlechte zuerst: Im Moment ist es in unserer Wohnung, dank einer Mitbewohnerin sehr sehr unangenehm. Die ist 28 und macht hier schon die ganze Zeit Theater, darüber wie es hier aussieht und ob wir nicht eine Haushaltshilfe einstellen wollen (wie wärs mit Nein?) und und und. Eigentlich nimmt die keiner von uns richtig ernst, weil sie einem auch ein bisschen Leid tut. Ihr Freund ist jetzt wieder auf Axe durch Indien und „arbeitet“, während sie hier alleine rumhockt, ohne Perspektive, in einer Stadt die sie nicht mag. Da lässt man seine Unzufriedenheit auch mal an anderen aus, und wir haben hier eigentlich alle ein dickes Fell, obwohl wir wirklich schon mal solche Nummern hatten, dass Patrick und ich Müll und dreckiges Geschirr von irgendwem von ihr in unser Kühlschrankfach gestopft bekommen haben, weil sie meinte das wäre unser Zeug. Es fehlt auch sämtliches Geschirr und ein Sofapolster, was lediglich in ihrem Zimmer sein kann. Jetzt allerdings hat AIESEC angefragt ob wir in unserer Wohnung noch einen Platz haben, und sie meinte erst mal, dass bei Patrick und mir ins Zimmer ja noch n Bett passen könnte. Sie selber schläft zwar im Nebenzimmer, dass größer ist als unseres ganz alleine, da ihr Macker jetzt für die nächsten vier (!!!) Monate weg ist, möchte aber anscheinend keinen neuen Zimmergenossen. Der arme Joseph, irgendwo aus Afrika, schläft jetzt im Wohnzimmer auf einem unserer Betten. Patrick und ich haben ihm erstmal ein großes Bier ausgegeben und mit ihm gequatscht, allerdings geht es auch einfach nicht an, dass wir als Paar in unser Minizimmer noch ne dritte Person aufnehmen und damit jegliche Privatsphäre zerstören die wir so haben. Was also heißt: Wir schließen jetzt immer unser Zimmer ab. Nicht vor Joseph, der alles ganz stoisch gelassen hin nimmt, sondern ihretwegen. Muss ich wahrscheinlich keinem erzählen, dass es mit so jemandem im Haus nicht schön ist zu wohnen und nach einem langen Arbeitstag hier nach Hause zu kommen.

Das schöne ist erst mal Patricks und meine absolut traumhafte Reiseroute, die wir langsam richtig fest geplant haben (von der ich jetzt aber noch nicht allzu viel preisgeben will, ich kann nur sagen, dass es der absolute Hammer wird und die Reise unseres Lebens!!!) und dass Irina und mein Bruder mit seiner Freundin Minna drüber nachdenken zu uns zu stoßen, spätestens zum Ende unserer Reise hin, wenn wir in Goa sind. Wenn das klappt, sind Patrick und ich auf jeden Fall die glücklichsten Menschen ever, wir vermissen nämlich Deutschland, Familie und Freunde schon ganz ordentlich :-)

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So, jetzt hab ich euch genug vollgequatscht. Bis bald wenn wir wieder was zu berichten haben.
Liebe Grüße nach Deutschland!

Teresa

Sonntag, 3. November 2013

Teresa hat ihren Job!!!

Die Deutsche Schule Bombay hat sich zurückgemeldet und wollen mich als Praktikantin haben!!! Meine Fahrtkosten werden dabei von denen übernommen! Nach den Diwali Ferien, die bis zum 10. November gehen, fange ich dann an. Also am 11. November.

Ich freu mich schon seeeehhhr, nicht nur weil ich dann endlich was zu tun bekomme, sondern auch, weil ich es mega spannend finde wie so eine internationale Schule so aussieht. Die DSB International School ist anscheinend beides, eine Grundschule und eine weiterführende Schule in der es wohl deutsche und englischsprachige Klassen gibt, die aber später alle gemeinsam auf Englisch unterrichtet werden sollen. Wen es interessiert, hier ist einmal die Homepage der Schule, natürlich auch auf Deutsch verfügbar: http://www.dsbindia.com Mir fehlt meine Arbeit an der Diesterwegschule irgendwie, deswegen nehme ich jetzt auch gerne um 6 Uhr früh aufstehen in Kauf. Ist ja nicht für lange, außerdem krieg ich ja auch ein schönes Zertifikat dafür.


Bei Facebook gibt’s schon zwei Diwali Fotos (Diwali ist ein Lichterfest an dem der Sieg des Guten über das Böse gefeiert wird. Und irgendwie Ramas Heimkehr aus dem Exil. Hauptsächlich aber ist hier gute Stimmung, es ist seit Tagen rund um die Uhr Feuerwerk angesagt und alles blinkt und leuchtet wie verrückt. Patrick wird euch morgen oder übermorgen mal einen genauen Bericht mit Fotos geben, wie wir Diwali auf seiner Arbeit gefeiert haben!


Ich möchte an dieser Stelle erwähnen dass ich dem Auftrag meines Großvaters gefolgt bin und mir einen eigenen Sari gekauft habe und ihn sogar ganz allein ohne Hilfe angezogen hab (Waaaarum zur Hölle machen die das so kompliziert….), dank Patricks Downloads von Wie-ziehe-ich-einen-Sari-an-Videos aus dem Internet :-D Immerhin ist das Ding jetzt nicht auf ewig dazu verdammt in meinem Schrank zu hängen, sondern kann wirklich in Deutschland mal vorgeführt werden und ich kann einen Punkt auf meiner Indien To-Do-Liste abhaken: Lernen wie man seinen Sari bindet: Check.


Diese dämlichen bauchfreien Blusen die hier wirklich mindestens jede zweite Frau trägt (übrigens vollkommen unabhängig von der Frage ob sie mit 200 Kilo sowas tragen sollte…) haben Carmem und ich natürlich nirgendswo gefunden. Das sind ganz simple Shirts eigentlich, mit ziemlich weitem Rückenausschnitt, aber da muss es irgendwo ein geheimen Laden geben, wir haben uns wirklich totgesucht und rein gar nix gefunden. Der Stoff passend zum Sari, der extra für so eine Bluse vorgesehen ist, konnte uns der Schneider natürlich nicht in zwei Tagen fertig machen um die Diwali Zeit. Fazit: Ratlosigkeit und Zeitdruck, schließlich braucht man ja dieses bauchfreie Shirt…


Ich habe mich dann an mein Jahr Fashion Design auf der High School in Ohio erinnert und mir dieses dämliche Tshirt selbst genäht. Aus einer Leggings. Fragt gar nicht erst. Es hat kein Mensch bemerkt, dafür habe ich mir an dem Tag geschworen nie wieder per Hand ein Kleidungsstück zu nähen, ich hätte zwischendurch getötet für eine Nähmaschine. Naja, ich hatte ja Zeit am Tag… -.-


Das mit dem unregelmäßigen Posten, und problematischem Bilderhochladen hat sich jetzt hoffentlich bald erledigt, heute haben wir mir einen Internet-stick gekauft bei Vodafone. Ab morgen irgendwann sollte das Ding für drei Monate gehen.


Also freut euch auf schöne Fotos von Patrick
Alles Liebe,
Teresa

Montag, 28. Oktober 2013

Odyssee und Jobinterview


Aaalso,

um alle ein bisschen mit der Jobsuche auf dem Laufen zu halten, hier noch ein kurzes Update zu meinem Interview, incl. Meiner Odyssee.

Wir hatten einen katastrophalen Tag gestern (Sonntag), in dem wir es nicht geschafft haben meine eventuelle Arbeitsstelle schon mal zu finden, weil auf einmal kein Taxifahrer mehr 3 Wörter Englisch konnte, geschweige denn wusste wie die nächste Straße heißt. Total frustriert wollten wir dann das Hard Rock Café Mumbai finden (wir haben zwar eins in unserem Wohnbezirk in Andheri, aber wer will schon ein Shirt wo Andheri draufsteht?). Allerdings gestaltet sich das ohne Internet schwierig (Patricks Sim Karte ist gesperrt, weil –lange Geschichte - … und das Internet unserer Nachbarn, das wir dauernd anzapfen funktioniert frei nach dem Motto rien ne va plus.)

Wir fahren also ins absolute Touristenviertel Colaba nach Südmumbai und fragen rum. Ganz blöde Idee. Es wird immer heißer und wir irren immer noch durch die Gegend, meine Schule nicht gefunden, das Hard Rock Café nicht gefunden, dafür aber einen Taxifahrer, der sein Taxameter schon seit 15 min laufen hat als wir einsteigen. Auf Patricks Hinweis, dass er das verdammte Dinge gefälligst auf Null stellen soll, schmeißt er uns wieder raus. Nichts lieber als das.

Irgendwann am Rande der Verzweiflung gabelt uns ein hilfsbereiter Inder auf, der uns in ein Café mit Internet/ Wifi bringt. Weil man dauernd um den allerletzten Cent betrogen wird in Indien, sind wir natürlich mega skeptisch. Zu Unrecht wie sich rausstellt, das Café ist nett und nicht soo teuer, es gibt außerdem auch tatsächlich eine Internetverbindung! Wir trinken erst mal ein Bier und teilen uns zum Frustabbau ein Stück Blueberry-cheesecake. Endorphine kommt zu uns!!!

Wenn man einmal jemanden trifft, der wirklich nett und ehrlich ist, hat man sofort ein schlechtes Gewissen was für ein misstrauischer Mensch man doch ist, aber leider muss man in Indien wirklich erst mal vom schlimmsten ausgehen und jeden Cent nachzählen, jedes Riksha und Taxameter überprüfen und niemals auf irgendwelche angeblichen Angebote eingehen.

Viel relaxter fahren wir dann mit dem Zug in das hinterletzte Viertel von Mumbai (weeer macht hier ein Hard Rock Café auf???) und essen etwas. Klimaanlage, ein echter Burger und bis auf gute Musik – Stille. Patrick und ich wollen hier wohnen bleiben… Völlig K.O. machen wir uns dann aber doch auf den Weg nach Hause. Also ab in den Zug. What a day….

Mein neues Shirt :-)
Rätselraten in Mumbai. Irgendwo zwischen der roten und der grünen Fläche liegt die DSB.

Deswegen war ich heute natürlich ein bisschen am Zittern ob ich dieses Gejuckel durch Mumbai auch wirklich allein schaffe und die DSB International School auch wirklich finde! Diesmal aber mit einer genauen Adresse gewappnet und einer wunderschön abgemalten Skizze von Googlemaps (Voll toll wenn man einen Drucker hätte), steige ich dann morgens in eine Riksha, die mich zum Bahnhof bringt. Von da benutze ich Patricks Bahnkarte um mir ein Ticket zu ziehen und versuche mich daran zu erinnern wie Patrick mir die Züge erklärt hat. Ich suche C wie Churchgate, und es muss ein F dahinter sein wie Fast Train, ich will nicht aus Versehen in die Bimmelbahn steigen. Jetzt noch ablesen an welchem Gleis die kommt und einen Haufen Frauen suchen, damit ich schön im Frauenabteil fahren kann. Wenn ich diesen Job kriegen sollte nehme ich mir ein First Class Abo. Dann Mumbai Central Station raus und ein Taxi finden. Ich hab dann auch gleich einen lustigen Taxifahrer, der mich für 40 Cent zu meiner angegebenen Straße bringt und mit mir ein bisschen rumscherzt ob ich Mumbai mag und was ich so mache.



Sobald ich die Straße wiedererkenne, lasse ich ihn anhalten und frage mich dann, wie genau ich eine Adresse finden soll, wenn hier kein Haus Hausnummern hat (Von Straßenschildern ganz zu schweigen). Ich entdecke dann aber relativ schnell, dass die Zahlen, die auf jede 4-6. Straßenlaterne geschrieben sind, ganz grob mit den Hausnummern passen könnten. Und so finde ich Bhulabhai Desai Road 76 und bin soweit es in Mumbai möglich ist, pünktllich J

Ich muss an zwei Wachmännern und einem elektronischen Drehkreuz mit Zahlencode vorbei und kriege ein Besucher-Anhänger um den Hals. Voll VIP hier. Die Schule ist ein lustiger Mix aus deutsch und englisch, überall hängen deutsche oder englische Poster übers Lernen, Verantwortungsbewusstsein etc. Herr Sina empfängt mich dann auch ziemlich zügig und wie das so ist in der Ferne, freut sich glaub ich jeder von uns einen Landsmann zu treffen.

Wir unterhalten uns dann auch wirklich nett, und stellen fest, dass wir aus der gleichen Region kommen. Ferdinand Sina war nämlich bis vor kurzem Schulleiter in Paderborn und wusste natürlich sofort was anzufangen mit der Uni Bielefeld. Die Welt ist klein…. Auf jeden Fall wollte er mal nachfragen, wie das aussieht mit Fahrtkostenerstattung und hat sich erstmal 5 Euro pro Tag als mein „Verdienst“ aufgeschrieben, wo er aber noch mal checken muss wo/ob die das so abrechnen können, was seeeehhhr cool wäre wenn das klappt. Er muss natürlich noch die jeweiligen Lehrer fragen ob das okay ist, damit die nicht das Gefühl haben, dass ich denen so ungefragt vor die Nase gesetzt werde… Wir plaudern noch eine Weile darüber was ihn und mich so nach Mumbai getrieben hat und was wir am deutschen Schulsystem noch verbesserungswürdig finden, scheinen aber auf alle Fälle schon mal auf einer Wellenlänge.


Ende der Woche soll ich dann bescheid kriegen ob das alles so in Ordnung ist. Ich hoffe sehr, dass sich da keiner quer stellt jetzt von den Indern etc, und dass ich bald bescheid bekomme, ob das alles so passt. Ich glaube er selbst war schon recht enthusiastisch. Also weiterhin Daumen drücken angesagt, Freitag spätestens weiß ich es genau.

Mittwoch, 23. Oktober 2013

WG Leben, Jobsuche & co

Halloooo

ui ein ganz kleines bisschen verkatert nach 2 1/2 Bier. Das ist hier irgendwie Starkbier und dübelt schon recht ordentlich. Gestern war es wirklich wieder ein bunter Abend bei uns in der WG und mit der WG uns gegenüber, die hier alle einfach ein und ausgehen :-)
Das ist eigentlich ganz lustig, unsere Türen sind immer offen und wir holen immer Trinkwasser bei denen, weil die einen Filter haben und die haben im Moment keinen funktionierenden Kühlschrank und stauen teilweise ihre Sachen bei uns. Also sitzen wir mit Leuten aus Polen, Brasilien, Ägypten, Schottland, Deutschland, etc  und diskutieren bei einem Bierchen darüber ob es sowas wie wahre Liebe gibt. So hab ich mir das schon eher vorgestellt :-)
Lecker Eisvogelbier. 

Ich habe übrigens den besten Freund auf der Welt, der sich auf der Arbeit extra zwei Cupcakes bestellt um mir einen abends mitzubringen. (Ich finde er hat auch eine ganz nette Freundin, er wurde mit einem Bananen-milchshake begrüßt)

Omnomnom.... Er war mega klein, hat aber mindestens n Kilo gewogen. Zauberei....und super köstlich.
Um mal zu meiner Arbeitsstelle zu kommen. Irgendwie denken ja alle in Deutschland, dass wenn man am Wochenende kündigt, hier in Indien über die Buschtrommel das weitergesagt wird und die Jobangebote ins Haus flattern und man dann bestenfalls Montag ne neue Stelle hat. Liebe Leute - das hier ist nicht Deutschland! Und ich bin auch gar nicht finanziell abhängig von solchen ehrenamtlichen Organisationen, da die mir eh kein Geld geben und ich hatte auch nicht fünf andere Stellen als Plan B sicher. Außerdem, und jetzt wird wahrscheinlich jeder AIESECer ein bisschen wissend lächeln, ist die Wahrscheinlichkeit, dass in Indien dein Job nicht das ist was man dir versprochen hat, nicht sooo unglaublich gering, dass ich aus allen Wolken fallen könnte. 

Also erstmal alle beruhigen bitte. Ich sitze hier nicht depressiv in der Ecke weil ich jetzt nicht Callcenter spielen darf und ich kann nicht innerhalb von ein bis zwei Tagen einen neuen Job aus dem Hut zaubern.

Oder doch? :-D

Zumindest hat sich auf meine Bewerbungen an alle möglichen Schulen in Mumbai eine gemeldet. OH WUNDER - es ist eine deutsche Schule in Mumbai. Die ganzen indischen stellen sich tot. Patrick hat schon ganz richtig beobachtet, dass die erstmal allein 3 Wochen brauchen um meine Mail mit Bewerbung und Lebenslauf zu öffnen... Der Schulleiter der Deutschen School of Bombay oder DSB International School hat mir zumindest zurückgeschrieben und meinte die wären ja ganz schön dumm, wenn die sich mein Angebot da als Praktikantin zu arbeiten entgehen lassen würden :-) DAS wollt ich hören!

Also am Montag den 28 um 11 Uhr soll ich mich da erstmal vorstellen. Das muss einfach klappen. Leider ist der Weg wieder sehr weit, weil natürlich alles was Kohle hat in Mumbai im Süden ansiedelt -.- Egal, wenn ich schon jeden Tag quer durch Mumbai reise, dann nur für n guten Job. Als denkt dran: Montag ist Daumen drücken angesagt. 

So sieht dagegen unsere Wohngegend in Nordmumbai, Andheri West aus

Evershine Cosmic klingt super :-D Ist aber leider nur eine Shoppingmall, die nie fertig gestellt wurde,
weil die Bauer dieser Mall nicht damit gerechnet haben, dass keine gepflasterte Straße dort hinführen wird.

Und über diesen Dreckweg will halt niemand zum Shoppen fahren. Außerdem ist da auch noch ein kleiner Slum im Weg. Also wurde es zu Wohnraum umfunktioniert.
Sooo das wars jetzt erstmal von mir. Heute Abend hole ich Patrick ab und wir gehen irgendwo bei seiner Arbeit essen :-)
Liebe Grüße aus Mumbai!!

Samstag, 19. Oktober 2013

Mumbai und Bombay

Mumbai verhällt sich zu Bombay wie Dr Jekyll zu Mr. Hyde. Es ist irgendwie eins, und hat dabei doch zwei Gesichter. Die wunderschönen bunten Saris der Frauen, die exotischen Gewürze die man hier manchmal riecht, die Füße beim Marine Drive baumeln zu lassen, die gigantische Skyline, die im Nebel langsam auftaucht, die unzähligen Häuser und Villen aus der Kolonialzeit zwischen Palmen... Mumbai kann seinen ganz eigenen Charme haben und auf einmal ist es hier super aufregend und man ist in der Mitte des Großstadtlebens.

Und manchmal hat man auch des Gefühl man erstickt hier an Mumbai. Ich halte zwischendurch einfach so lange wie ich kann die Luft an wenn wir an Müllbergen vorbeikommen, dann die unzähligen Kühe, Ziegen, Hühner, Tauben, Krähen, Greifvögel, dieser Horror von Verkehr und das ständige Gehupe und die Abgase und die Bettler, dass einen sofort der Fluchtinstinkt packt. Genauso verläuft das auch eigentlich mit den Indern. Manchmal sind die super nett und hilfsbereit und manchmal kriegt man so eine Wut, dass man sich richtig beherrschen muss.

Gestern habe ich netterweise erstmal eine AIESECerin der ersten Kategorie kennen gelernt, die mich zu meinem Arbeitsplatz begleitet hat. Aishwaya holt mich zwar ca eine Stunde zu spät ab (wer hätte auch ernsthaft mit 9 Uhr gerechnet...come ooon....) entschuldigt sich dann 100 mal obwohl ich sage, dass es kein Problem ist und die bei der Arbeit wahrscheinlich eh nicht damit rechnen, dass ich passend komme heute. Wir nehmen ein Taxi zu meiner Arbeitsstelle in Südmumbai und gurken los, für über 1 1/2 Stunden... Dabei fragen wir uns gegenseitig aus, über unsere Kultur und natürlich die Themen, die junge Frauen in dem Alter vielleicht besonders spannend finden. Müssen Inderinnen wirklich arrangierte Ehen eingehen? Ziehen Europäer wirklich bei ihren Eltern aus ab einem bestimmten Alter? Fasziniert schnattern wir die ganze Fahr über und ich lerne, dass Heiraten in Indien ziemlich kompliziert ist. Da suchen die Eltern einem einen Mann aus, der nicht nur die gleiche Religion haben soll, also Hinduist, der muss ja auch in der richtigen Kaste sein, da unterscheiden sich aber auch nochmal Südinder von Nordinern in ihren Kasten, außerdem muss das Alter, der Berufsstand, der "Hintergrund der Eltern" des Mannes genauso passen wie sein Aussehen und Zukunftspläne. In den aufgeschlosseneren Familien lassen die Eltern aber ihren Kindern so viel Zeit, is die sich selbst bereit zum heiraten fühlen und sich vertrauensvoll an die Partneragentur Mutti&co wenden. (Das würd dir gefallen Mami...) 

Ich bin mega geschockt als ich sehe wie lange wir dann doch fahren. Und noch geschockter als wir in dem hübschen Nobelbezirk in Südmumbai in das Büro gehen und ich den Assistenten meines Chefs kennen lerne, der sich selbst Direktor nennt. Von wegen viele Leute aus vielen Nationen arbeiten hier alle zusammen. Hier arbeite ich. Die einzigen beiden Mitarbeiter sind mein Chef und sein Direktor, wobei ersterer im Moment in Deutschland auf Geschäftsreise ist (weiß der Geier was er da macht). Eine Bedienstete wuselt die ganze Zeit um uns herum, putzt und schleppt Kaffe und Wasser auf Befehl an. Ich hocke in der großen Wohnung, denn so sieht das Büro irgendwie aus, und starre die Tauben an, die durchs Fenster reinfliegen und sich auf dem Schrank heimlich ein Nest bauen wollen und denke, das ist jetzt alles ein Scherz.

Besonders als ich dann erfahre, was meine eigentliche Aufgabe sein soll: deutsche Firmen anrufen und die dazu bringen ihre vom Staat vorgegebenen soundsoviel Prozent Gewinn in soziale Projekte zu investieren und zwar bei den Projekten die iWatch anbietet. Dafür wird mir eine indische Version der Gelben Seiten vorgelegt, die alle hier ansässigen deutschen Firmen auflisten. Und die soll ich dann "richtig überzeugen".... Die zweite Aufgabe macht es dann nicht wirklich besser. Nebenbei noch Firmen recherchieren und da alle wichtigen Details in eine Exceltabelle einfügen. Ich frage total perplex nach anderen Praktikanten und den Schulen zu denen wir doch gehen wollten. Das würde es dann im November geben mit den Schulen. Das wären dann vielleicht so 10, wird mir erklärt. Am Ende werde ich ganz nett bei der Familie meines Chefs zum Essen eingeladen, die wirklich sehr sehr nett sind. Das Thema wie ich halbwegs günstig zur Arbeit komme und zurück wird lange besprochen, allerdings ohne wirklich zufriedenstellendes Ergebnis.

Ich verabschiede mich nett und sitze wieder im Taxi. Gott sei Dank musste ich noch nicht mit der Arbeit anfangen, da es im "Büro" Probleme mit den Leitungen gibt und weder der PC noch die Klimaanlage funktonieren. Ich mache mir lange, lange Gedanken und quatsche mit allerhand Leuten über meine Erfahrung auf der Arbeit um mir dann zu gestehen dass über 3 Stunden jeden Tag kostpieliges Hin und Hergurken für einen Job, den ich so nicht mal gegen Bezahlung machen will, zudem auch noch mutterseelenallein mit zwei zwei 50 Jahre alten Indern als deutsches Callcenter es nicht wert sind. Auch nicht wenn die Leute unglaublich nett und hilfsbereit sind. Nicht 7 Stunden, 5 Tage die Woche und auch nicht, weil mir so ganz nebenbei auffällt, dass natürlich ein Teil der Kohle an die beiden Herren fällt durch die Arbeit die ich da leisten würde.

Mit schlechtem Gewissen, aber trotzdem sehr bewusst dass es die einzige richtige Lösung ist, habe ich gerade den Job abgelehnt, noch bevor ich ihn wirklich angefangen habe. Jetzt werde ich mich nach Schulen in der Umgebung umgucken, die vielleicht gern ein bisschen Unterstützung in ihrem Englisch Unterricht hätten.

Nachdem gestern so ein bescheuerter Tag war und sich Mumbai ganz als Mr Hyde gezeigt hat, sind Patrick und ich heut nach Südmumbai gegurkt (mit dem Zug, aaaahhhh...) und haben uns ein paar schöne Sachen da angeguckt. Also nach meinem Monolog hier ein paar Fotos :-)

Ein ganz normaler Arbeitstag..

Ok, zugegeben, das Ende ist nicht ganz normal, aber ich wollte euch mal erzählen wie im Moment so meine Arbeit aussieht:

08:30:
Ich komme, wie jeden Tag, als erster der Praktikanten an. Von den Festangestellten sind, ebenfalls wie immer, zwei Leute anwesend. Ich fange an, meine Aufgabe, die ich mir gestern Abend noch angeln konnte, zu erledigen.

10:00:
Zwei weitere Praktikanten kommen an, das Büro füllt sich. Meine Aufgabe ist erledigt. Mein Vorgesetzter sagt mir, dass er mir in ein paar Minuten neue Aufgaben geben wird. Ich suche mir selbst eine Neue, weil 5 indische Minuten echt lang sein können

11:00:
Auch der letzte Praktikant trudelt ein. Bevor jetzt jemand denkt: Ist der Patrick total doof, warum kommt er nicht auch so spät? 9 Stunden am Tag sind Pflicht für jeden, und ich ziehe es vor, früher zu Hause zu sein.

13:00: 
Mit Mittagspause habe ich jetzt auch meine selbst erstellte Aufgabe erledigt. Da mein Vorgesetzter nicht mehr im Chat online ist, schaue ich im anderen Büro nach. Es stellt sich heraus: Er ist gegangen.

15:00, nach zwei Stunden Semiaktivität:
Eine Explosion ist zu hören. Niemanden scheint es zu interessieren. Erst nach der zweiten Explosion, mit der auch zeitgleich der Strom flöten geht, bewegen sich die Menschen im Büro. Im fensterlosen Büro. Ohne Strom. Das einzige Licht kommt von einigen verloreren Notebooks, deren Akkus noch nicht komplett zerstört sind und noch ein paar Minuten ohne Strom auskommen.

Büro ohne Strom
15:10
Auf der Terasse kann man prima das Feuer gegenüber sehen. Eine Gasflasche schießt quer über das Gelände und erwischt fast einige Schaulustige.

Leider habe ich kein Foto von der fliegenden Gasflasche machen können..
15:18
Nach 18 Minuten trifft die Feuerwehr ein. Laut den Indern eine absolute Rekordleistung, mit einer halben Stunde muss man sonst mindestens rechnen und es sei wohl auch nicht ungewöhnlich, dass die Anwohner die Feuerwehrleute erst bestechen müssen, bevor sie mit dem Löschen anfangen. Das Löschfahrzeug das anrückt ist so alt, dass ich mich wundere wie es überhaupt fahren kann. Anstatt eines Martinshorns steht ein Mann auf dem Fahrzeug, der eine Glocke läutet.

15:30
Wir dürfen nach Hause gehen. Ich rege mich übel auf, weil die meisten Anderen erst 2 Stunden vor Stromausfall angefangen haben, während ich meinen Arbeitstag quasi schon fast durch hatte. Pech gehabt.


Das bisschen Action war ganz witzig heute. Bei allem Anderen hoffe ich, dass meine Arbeit ein bisschen herausfordernder und naja.. sinnvoller wird. Bis jetzt hab ich das Gefühl, dass jeder Rikschafahrer (und damit meine ich nicht die, die damit ihr Studium finanzieren wollen) meine Arbeit problemlos übernehmen könnte... Naja, wir werden sehen wie es sich entwickelt :)

Freitag, 4. Oktober 2013

Erste Arbeitstage und Sanjay Gandhi National Park - Teil 1?

Nachdem ich mich jetzt ganz gut eingelebt habe und auch angefangen habe zu arbeiten, wurde es mal Zeit endlich eine "Sehenswürdigkeit" von Mumbai zu sehen - Den Sanjay Gandhi National Park, der direkt an die Hochhäuser von Mumbai angrenzt. Von vollen, verschmutzten und verpesteten Straßen kommt man innerhalb von 2 Minuten zu Fuß plötzlich in einen 100km² großen Dschungel. Leider gibt es in den begehbaren Wegen nicht allzu viel zu sehen (außer ein paar Affen, die überall frei herumlaufen), und da meine Flatmates unglaublich lange gebraucht haben um sich aufzuraffen (Ich war um 12 fertig, wir sind um 17 Uhr losgegangen..) hatten wir auch nicht genug Zeit um uns weiter durchzuschlagen. Also werde ich wohl mit Teresa noch einmal hinfahren, um mich dort genauer umzusehen.

Noch ein paar Worte zu meiner Arbeit: Mein Projekt (das erstellen der deutschen Repräsentation von CouponDunia) wurde ca. 2 Wochen vor meiner Ankunft abgeblasen. Zu dem Zeitpunkt konnte ich natürlich nicht mehr meine Flüge umbuchen, deshalb bin ich trotzdem hier. An meinem ersten Tag habe ich 9 Stunden lang absolut gar nichts gemacht, weil es keine Aufgaben für mich gab. Jetzt bin ich als "Management Trainee" im Affiliate Management untergebracht. Aber der "Einführungstag" dazu gestern hat mir auch nicht wirklich zeigen können, was ich da nun eigentlich machen muss.
Ich bin ein bisschen enttäuscht, weil dieses Projekt wirklich sehr gut klang und perfekt für mich war. Aber ich lasse meinen neuen Job jetzt erstmal auf mich zukommen und dann sehen wir, was passiert.

Jetzt aber noch ein paar Fotos für euch:

Meine Flatmates: Olya, Rizal, Melanie, Julia. Fehlt noch Carmem und zwei Polen, die heute aus Goa wiedergekommen sind

Ein nachdenklicher Affe

Dschungel --> Stadt

Anscheinend sind wir in Indien für saubere Wäsche und Umlaute bekannt

Sonntag, 7. Juli 2013

Praktikum für 2, bitte!

Obwohl es uns eigentlich relativ klar war, dass wir es schaffen Praktika in der gleichen Stadt zu bekommen, war doch ein bisschen Angst, dass es nicht klappt im Spiel. Aber jetzt ist es so weit: Wir haben beide eine, bzw. bei Teresa sogar potentiell zwei, Stellen in Mumbai bekommen.

Unsere Praktika haben wir, wie sollte es bei uns auch anders sein, über AIESEC gesucht. Der eigentliche Plan war es, zunächst für mich eine Stelle zu suchen, weil mein Profil (professionelles Praktikum, Wirtschaft, bezahlt, 5 Monate) doch eigentlich deutlich schwerer zu vermitteln war als Teresas (soziales oder professionelles Praktikum, Education, Dauer egal) und dann in der selben Stadt ein passendes zweites zu finden. Denn unsere Recherchen haben ergeben, dass es Education-Praktika wie Sand am Meer gab.

Nach ein paar Tagen suchen bin ich zwar in der Datenbank noch nicht fündig geworden, aber dafür hat mich eine Firma angeschrieben - CouponDunia Media. Nach einem - für Indien untypisch pünktlichen, professionellen (ich hatte das Gefühl in einem 1-Mann-Assessment-Center zu sitzen) und langem, überraschenderweise auch noch in exzellentem Englisch geführten - Interview hatte ich den Job klar und wir haben uns dafür entschieden, diesen auch anzunehmen. CouponDunia ist eine Firma die, ähnlich wie Groupon, Gutscheincodes und Coupons im Internet anbietet. Meine Aufgabe bzw. mein Projekt wird es sein, die Expansion nach Deutschland vorzutreiben.
Dummerweise hat sich kurz danach rausgestellt: Mumbai ist das wohl einzige Lokalkomitee in Indien, das quasi gar keine sozialen Praktika anbietet.

Nach knapp zwei bangen Monaten haben wir jetzt aber doch auch etwas für Teresa gefunden: Das Projekt iWatch.
Die Mitarbeiter dieses Projekts "beobachten" Indien und wollen aufzeigen, wo grundlegende Dinge schief laufen. Unter Anderem wollen sie den Indern zeigen, wie wichtig Bildung für das voranschreiten des Landes ist - Und hier kommt Teresa ins Spiel!

Anschließend an dieses Praktikum wird wohl ein weiteres Projekt gestartet, in dem es tatsächlich darum geht, Englisch zu unterrichten. Das wird dann optional hinten angehängt, da iWatch nur 8 Wochen dauert, mein Praktikum jedoch 23. Alternativ wird sich dann privat ein Job in einer Schule oder Ähnlichem gesucht.

Endlich alles Dingfest!